Nachtrag….

Es wurde angefragt, was aus der jungen Syrerin wurde. Nachdem sie sich uns offenbart hatte, haben wir sofort begonnen, ihr bei der Suche nach einer neuen Wohnung zu helfen – weit weg von Friedrichsort. Dank des empathischen Vermieterehepaares war es möglich, dass sie ihre Wohnung von heute auf morgen verlassen konnte. Gerne haben die Vermieter auch meinen männlichen Nachmietervorschlag angenommen.

Zu dem „offenen Brief“:

Ich werde dazu weiteres veröffentlichen. Da ich Sorgen um das Zauberwerk habe und weil ich öffentlich machen möchte, was einem in Kiel als engagierte Bürgerin widerfahren kann. Dazu ist ein Rückblick nötig, der auch erklärt, warum meine Sorgen um das Zauberwerk und um mich selbst nach dem kürzlich bedrohlichen Auftreten berechtigt sind. Dazu kommt, dass ich nicht mehr bereit bin, unsere Kräfte damit zu verschwenden.

Wir wollen in Ruhe unsere gute Arbeit machen!

Bereits Ende 2014 haben meine Kinder, Freunde und ich uns die Hacken abgelaufen, um die ganzen Flyer in den Stadtteilen zu verteilen, in denen unsere Informationsveranstaltungen gemeinsam mit der ZBBS stattfanden. Wer möchte, kann dazu gerne im WiF-Archiv stöbern.

Eines Sonntags stand Herr 1. für die AWO vor meiner privaten Haustür und verlangte, auf einer dieser Veranstaltungen 20 Minuten Zeit für sich und seine geplanten Veranstaltungen zu bekommen.

Ich fand dieses Vorgehen unmöglich! Da mein Ziel immer war, dass es den Menschen vor Ort gut gehen soll, und ich den Herrn bis dahin nicht kannte, stimmte ich schließlich zu. Ein großer, großer Fehler – das ahnte ich zu diesem Zeitpunkt bereits.

Bei Herrn 1. und seiner Tanztruppe entwickelte sich offenbar die Vorstellung, unseren Verein zu kapern. Da ich mittlerweile erlebt hatte, wie Herr 1. mit seinen Mitarbeitern und den Ehrenamtlichen umging, lehnten wir den Beitritt dieser Gruppe einstimmig ab. Der E-Mail-Verkehr dazu ist archiviert. Welche Folgen diese Abstimmung zehn Jahre später nach sich ziehen würde, hätte ich nie für möglich gehalten.

Herr 1. hatte sich bereits 2015 aufdringlich weit in unsere Arbeit hineingehängt. Als sich herausstellte, dass er den Verein nicht übernehmen konnte, sprang er grundsätzlich ab. Ziel verfehlt.

Er erschien anschließend noch einmal persönlich mit Begleitung in unserem Nähkurs. Dort wollten sie Näherinnen für ihre Segelboote akquirieren. Dies wurde von uns resolut abgewehrt.

Aufgrund dieser Geschichten, die sich von 2014 bis 2015 zogen, gingen Herr 1. und sein Kumpel Herr 2. – ohne ihren eigenen Verein richtig zu informieren und ohne uns zu informieren – etwa acht Jahre später zur Stadt Kiel. Das Ziel der beiden Herren war es, das Projekt „Zauberwerk“ aus der institutionellen Förderung zu kicken.

Hinter dem Rücken aller gehen zwei alte, weiße, böse Männer zur Stadt Kiel, um ein kleines, feines Frauenprojekt mal eben zu canceln.

Dieser Größenwahn wurde gestoppt – ich habe da keine Worte für gefunden. Und das eine Wort das passt, liest sich hier nicht schön.

Immerhin mussten sich die beiden Herren auf einer Vereinssitzung öffentlich dafür rechtfertigen, nachdem dieser Vorgang bekannt geworden war. Dort sollten sie den Grund für ihr Verhalten nennen:

„… WiF e. V. hätte ihn, Herrn 1., damals nicht in den Verein aufgenommen. Und die anderen auch nicht!“

Wir werden seit einigen Jahren monatlich mit einer institutionellen Förderung der Stadt Kiel unterstützt. Diese ist sehr klein, ermöglicht uns aber immerhin kontinuierliche Arbeit. Wir sind unglaublich dankbar, dass die Stadt Kiel uns diesen wunderbaren Raum zur Verfügung stellt und uns fördert.

Mit unserem kleinen Projekt „Zauberwerk Kiel“ haben wir es in eine renommierte Fachzeitschrift geschafft und im Laufe der Jahre Sachspenden im Wert von vielen Tausenden Euros hergestellt, die bis heute an Altenheime, Krankenhäuser, Kindergärten und andere Einrichtungen verteilt werden. Wir haben wetterfeste, warme Sitzsäcke nach Maß für Menschen im Rollstuhl gefertigt. Im Zauberwerk arbeiten Frauen, die sich auch bei der 180. Obdachlosendecke viel Zeit und Mühe geben, schöne Stoffe zusammenzustellen.

Unsere Nesteltücher haben in unserer Ausführung einen Wert von 65 bis 80 Euro pro Stück. Davon haben wir während der Corona-Zeit innerhalb von zwei Jahren knapp 200 Stück produziert. Außerdem haben wir etliche tolle Taschen an Projekte wie „Zonta“ gespendet. Auch wenn die Spende aus unserem Taschenverkauf an „HUPF“ klein war, haben wir darüber mit den Frauen gesprochen und den Betrag gerne überwiesen.

Getreu unserem Motto „Gutes zurückgeben …“ konnten wir außerdem unzählige Gurtkissen für Krebspatienten anfertigen und weitergeben.

Für all das gibt es ein Archiv.

Das ist sichtbar und kontrollierbar.

Dazu kommen die Prüfungen der Stadt Kiel und natürlich des Finanzamtes sowie Sachberichte, Rechenschaftsberichte usw.

Wir haben nichts zu verbergen.

Die beiden Herren sind nämlich außerdem losgezogen und wollten Einsicht in unsere Anträge und Unterlagen erhalten. Und die bessere Hälfte des einen Herrn hat mir Frauen in mein Gesundheitsprojekt geschickt, die regelmäßig gefragt wurden, was wir alles machen, und die gebeten wurden, mitzubringen, was wir alles hergestellt haben. Dazu muss man wissen, dass bei Veranstaltungen dieser Truppe, die in unserem Ort stattfinden, von deren Seite teilweise enormer Druck auf Migrantinnen ausgeübt wird, daran teilzunehmen. Von männlichen Migranten ist mir ein solches Vorgehen nicht berichtet worden. Eine der Frauen, die sich mir zu dieser Praxis offenbart hatte, hatte Tränen in den Augen, weil sie nicht zu der Demonstration wollte, aber bereits dreimal telefonisch dazu aufgefordert worden war.

Das darf nicht sein!

Warum bekommt das Zauberwerk eigentlich seit über neun Jahren keinerlei Unterstützung vom Migrationsforum Kiel für ein so feines Projekt?

Dort sind die beiden Herren ebenfalls bis heute aktiv. Diese Mühe sparen wir uns inzwischen.

Als wir 2017 die Projektanforderungen des Migrationsforums lasen, hatten wir das Gefühl, sie seien extra für uns geschrieben worden. Bildlich gesprochen konnten wir hinter allen Anforderungen drei Haken setzen. Nach Rücksprache wurde uns dieser Eindruck bestätigt, und wir begannen, das Projekt unseres Lebens zu planen. Ich möchte daran erinnern, dass wir echte Ehrenamtliche sind und waren. Die Vorbereitungen darauf waren ein wunderschönes Erlebnis. So viele Menschen haben Ideen eingebracht, mitgefiebert und sich mit uns gefreut. Endlich sollten wir die Möglichkeit bekommen, unser bis dahin gesammeltes Potenzial richtig zu zeigen! Da solche Anträge für Laien sehr schwer zu erstellen sind, habe ich mich immer wieder rückversichert, um alles richtig zu formulieren.

Kurz gesagt: Wir wurden abgelehnt.

Offiziell gibt es keine Begründung für eine Ablehnung. Natürlich wurde mir die inoffizielle offizielle Begründung dennoch genannt, was es nicht besser gemacht hat- im Gegenteil.

Unser Frauenprojekt wurde abgelehnt, weil „… es immer die gleichen Frauen beträfe.“ Das ist ungefähr so, als würde man sagen, die Spiellinie bekäme kein Geld mehr, weil immer die gleichen Kinder kämen.

Sie haben sich nicht einmal die Mühe gemacht, originell zu sein.

Der Schusterkrug ist eine Großunterkunft. Meines Wissens lagen die Belegungszahlen nur einmal knapp unter 500 Menschen. Im Jahr 2017 waren es eindeutig mehr. Wie man da behaupten kann, es würde immer die gleichen Frauen betreffen, ist für mich nicht nachvollziehbar. Vor allem stimmt es einfach nicht.

Bis heute gibt es etwa 50 Frauen von außerhalb, die mal mehr, mal weniger regelmäßig kommen. Das sind Frauen, die längst nicht mehr im Schusterkrug leben. Gleichzeitig kommen fortlaufend Bewohnerinnen aus dem Schusterkrug, zu den fest bestehenden Gruppen dazu. Dieser Strom ist nie versiegt.

Es gab noch eine Einladung des Migrationsforums an unseren Verein zu jener unsäglichen Veranstaltung, auf der ich als Nazi beschimpft wurde. Danach habe ich nie wieder etwas vom Migrationsforum gehört. Wie es dort heute aussieht, weiß ich nicht – nur, dass insbesondere einer der beiden Herren dort weiterhin aktiv ist.

Ich wollte damals sofort den Antrag überarbeiten. Ich wollte alles geben, damit wir mit unseren Planungen starten konnten. Daraufhin wurde mir inoffiziell mitgeteilt, ich brauche am besten gar keine Anträge mehr beim Migrationsforum einzureichen – meine Aussichten seien dort nicht gut.

Das wollte ich nicht mehr ausprobieren.

Irgendwann reicht die Kraft einfach nicht mehr.

Noch einmal: Wir sind ehrenamtlich engagierte Menschen.

Das war ein richtiger Schlag 2017 in die Magengrube. Bis heute schüttelt es mich wenn ich daran denke. Ich werde aber weiter Worte dafür finden, was aktuell gerade passiert.

Da von Herrn 2. bereits ein Anwalt gegen mich angehängt wurde, um Druck auszuüben, gehen wir auch diesen Weg mit. Und sollte es noch mehr engagierte Menschen geben – außer denen, die ich bereits kenne –, die von diesem Verhalten ebenfalls mit ihren Projekten oder als Person betroffen wurden, dann meldet euch bitte.

(Unser – für uns – Megaprojekt wurde 2017 schließlich an anderer Stelle gefördert. Es war großartig! Und die rauschende Abschlussfeier mit über 100 Menschen bleibt für uns ein unvergessliches Erlebnis.)