Ein offener Brief an alle, die mal wissen wollen, wie es einem so ergeht, wenn man gute ehrenamtliche, demokratiefördernde Projekte aufgebaut hat.
(Wie es einem ergeht, wenn man Bäume retten möchte, wissen wir schon.)
So. Heute ist es so weit: Mein Haus wird von außen videoüberwacht.
Seit über 21 Jahren leben wir hier. Seit zwölf Jahren sind wir in Friedrichsort mit unserem Verein am Wirken und Werkeln.
Nach einem bedrohlichen Besuch, den ich aktuell bei mir zu Hause hatte, ist bei mir ein Punkt erreicht, an dem ich sage: Es reicht mir und ich muss mich schützen. Das muss ich aber nicht wegen Angriffen aus der rechten Ecke.
2015 habe ich eine E-Mail erhalten (in Worten: eine!), die sehr kritisch und gegen die Geflüchteten im Schusterkrug gerichtet war. Das Ganze war freundlich und nett geschrieben, die Sorgen waren verständlich. Ich konnte damals nicht darauf antworten. Ich habe diese E-Mail nicht gelöscht.
Bis heute habe ich keinerlei Drohungen aus dem rechten Spektrum erhalten, die ganzen Steine die uns in den Weg gelegt werden kommen aus der anderen Ecke.
Eine unschöne Geschichte ereignete sich vor einiger Zeit, aber da kam mir keine Videoüberwachung in den Sinn:
Mit einem Hammer wurde ein Loch in meinen Smart geschlagen. Hintergrund war, dass ich mich notgedrungen allein gegen zwei echte Rassisten hier im Ort gestellt habe, die eine alleinstehende junge Syrerin mit ihrem damals achtjährigen Sohn drangsaliert haben. Derart, dass es bereits zwei Gefährderansprachen der Polizei gab. Nachdem sie mir aus Verzweiflung alles erzählt und mir aktuelle Fotos des vollgemüllten Briefkastens sowie der mutwillig verstopften, übergelaufenen Waschmaschine gezeigt hatte, wandte ich mich unter anderem auch an den „Runden Tisch gegen rechte Ecken“ hier in Friedrichsort.
Der Flyer, der von denen wohl eingeworfen wurde, schreckte die beiden Akteure nicht ab, und der Terror ging weiter.
Nach einigen Monaten erkundigte sich eine Mitstreiterin vom runden Tisch gegen rechte Ecken mal nach meinem Auto, ob sie den Mann erwischt haben…
Dann habe ich diesen Mann einmal besucht. Daraufhin erhielt ich eine Anzeige wegen Bedrohung und Beleidigung. Wobei es meiner Überzeugung nach keine Beleidigung ist, wenn man einem echten Rassisten bestätigt, dass er ein echter Rassist ist. („….liest sich grün hinter den Ohren“ kann man allerdings als eine Beleidigung werten.)
Parallel bekamen die beiden eine dritte Gefährderansprache – von einer Stelle, die wirkte. Tja, und einen Tag, nachdem dieses Zwergmännchen durch seine Anzeige meine Adresse erhalten hatte, hatte ich ein Loch in meinem Auto. Das Auto steht weit weg von der Straße und noch dazu in einer Sackgasse. Hier kann man eigentlich noch Sachen draußen vergessen … Das war alles nicht schön.
Besonders grausam fand ich allerdings, wie lange diese junge Frau und ihr Sohn – der Bettnässer wurde und Panikattacken erlitt – einen solchen Zustand heutzutage aushalten mussten. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.
Wenn ich jetzt, wie geschehen, von einem grün wählenden, weissen, bösen, alten Mann bei mir zu Hause aufgesucht und massiv bedroht werde, dann ist bei mir jetzt mal Schluss! Von einem Mann, der sich selbst ständig im öffentlichen Leben präsentiert, Projekte der Stadt Kiel begleitet, sucht mich zu Hause auf, weil er sein illegales Verhalten nicht abstellen möchte, wie von mir erbeten. Es gibt gute Gründe, warum ich ihn darum bat. Da ich seine unhaltbaren Erpressungsversuche anfangs sofort freundlich ablehnte, steigerte er sich zunehmend in bedrohliche Monologe, machte Schritte auf mich zu, schlug mit der Handkante gegen meine Torhalterung und war zu keinem Zeitpunkt bereit, mein Grundstück zu verlassen.
Ich erwähne, dass er Grün wählt, und auch seinen religiösen Glauben, weil ich von einem Menschen, der diese Werte für sich beansprucht, einfach etwas anderes erwarte.
( Von dem Klimaforum der Stadt Kiel hätte ich übrigens auch anderes erwartet.)
Und wenn ein Mensch mit Gesetzen droht, obwohl er selbst nicht bereit ist, sich an diese zu halten, finde ich das, besonders in seiner Rolle, sehr bedenklich. Da frage ich mich schon, was eigentlich dahintersteht.
Warum muss ich gerade an Trump denken….
