Was noch passieren kann, wenn man sich engagiert.

Protagonisten hier: eine „gute Tasche aus Kiel“, 1 Schietbüdel, Schmuck und ein Pferd.

Wenn ich meiner früheren Deutschlehrerin aus diesen Schlagwörtern die Geschichte geschrieben hätte, die ich tatsächlich so erlebt habe, hätte ich den Satz „zu viel Fantasie“ daruntergesetzt bekommen.

Es ist ja seit immer völlig normal für uns, bei den täglichen Gassirunden mit den Hunden nebenbei Müll einzusammeln. Nur an diesem Tag hatte ich überhaupt keine Zeit, da ich einen wichtigen Termin hatte. Also wollte ich auch nicht den Müll entfernen, der mich aus dem Knick heraus anstarrte, sondern schnell weitergehen. Ich ging dann doch wieder zurück, zog an irgendetwas und hatte am Ende einen Kopfkissenbezug voller Schmuck in den Händen. Da ich diesen wichtigen Termin hatte, sicherte ich den Schmuck in einem Schietbüdel und fuhr erst einmal nach Hause.

Nach einigen Telefonaten hin und her mit der Polizei sollte ich an der Fundstelle auf Kollegen warten – mit dem Schmuck. Ich stand also mit dem bis obenhin prall gefülltem SchmuckSchietbüdel an einem Feldrand, vor mir die Fördestraße mit dem üblichen Feierabendverkehr hinter mir der lange, lange Feldweg zum Wald und Strand, und wartete auf die Polizei. Plötzlich vernahm ich Geräusche, die überhaupt nicht ins Bild passten. Ich drehte mich um und sah ein großes, durchgegangenes Pferd ohne Reiter auf mich zu galoppieren.

Ich weiß nicht, was mein Gehirn in diesen Sekunden geschaltet hat, aber ich habe diesen Schietbüdel mit Schmuck festgehalten, als ob er lebendig wäre. Dazu hüpfte ich und rief laut, um das Pferd zu stoppen. Zum Glück konnte ich die Zügel erwischen, und es trabte sich im Kreis drehend, schnell um mich herum. Während ich mitdrehte, hielt ich weiter mit einer Hand verkrampft den Schietbüdel fest, um mit der anderen Zügelhand parallel noch einmal bei der Leitstelle der Polizei anzurufen.

Ich bewundere die Polizistin bis heute, dass sie nicht vor Lachen am Telefon zusammengebrochen ist.

„Bitte! Ich warte auf Ihre Kollegen, die müssen jetzt schnell kommen! Ich stehe hier jetzt mit dem Schietbüdel und habe noch ein wildes Pferd an der Hand. Ich weiß nicht, ob das noch lange gut geht!“

Sie war sehr freundlich und versprach mir, das sofort weiterzugeben. 

Nach gefühlt 100 Stunden kam endlich der Freund der abgeworfenen Reiterin den Weg entlang auf mich zu. Mittlerweile hatte sich der Hengst etwas beruhigt, wir tänzelten nur noch leicht zusammen herum und ich begrüßte meinen Erlöser freudig:
„Ich konnte das Pferd retten, ich konnte das Pferd retten, noch gerade rechtzeitig!“

Antwort:
„Der findet auch alleine nach Hause.“

Meine Frage:
„Kann er auch links, rechts, links gucken?“

Antwort:
„Nee,….äh, danke.“

Weit hinten sah man die eigentliche Reiterin angehumpelt kommen. Ein kurzes, knappes „Danke….“ presste sie hervor. 

Finderlohn habe ich bis heute nicht für den ganzen abgegebenen Schmuck erhalten. Insgesamt, mit dem zweimaligen hin und herfahren zum Fundort, etliche dazu geführte Telefonate, jeweils lange Wartezeiten auf die Polizei am Fundort, hat mich das ganze ca. 4 Stunden Lebenszeit gekostet. Es hat mich trotzdem gefreut, dass der Schmuck zugeordnet werden konnte und wieder bei seinem Besitzer gelandet ist.

Und ich hab mit einem Pferd getanzt!

Die gute „Tasche aus Kiel“: Beim Spaziergang nebenbei Gutes für seine Gesundheit und die Umwelt tun. 🙂